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Farbstoffe und Pigmente
müssem mit Bindemittel und meist auch mit etwas Wasser angerührt
werden, um eine schreib- oder malfähige Konsistenz zu erhalten. Die gebräuchlichen
Bindemittel waren Eiweiß, Gummi arabicum sowie Leim. Zu beachten ist
hierbei, daß nicht jedes Bindemittel mit jedem Farbstoff verwendet werden
kann.
Eikläre
Eiweiß muß, bevor es als Bindemittel benutzt werden kann, zunächst
einmal aufbereitet werden.
Eine brauchbare Methode ist, das Eiweiß zu Eischnee zu schlagen und
die sich kurze Zeit später am Boden des Gefäßes absetzende
Flüssigkeit zu verwenden.
Gummi arabicum
Zur Herstellung von Gummi arabicum verwendete man zu meiner Zeit das Harz
unserer Kirsch- und Pflaumenbäume. Hierfür werden Harzbrocken in
Wasser gelegt, bis diese quellen und sich schließlich im Wasser auflösen.
Verunreinigungen durch Baumrinde werden anschließend ausgefiltert. Auch
nach erneutem Trocknen bleibt Gummi wasserlöslich und kann somit mehrfach
wiederverwendet werden.
Beinahe alle Pigmente und Mischungen außer Mennige, Bleiweiß und
Karmin können mit Gummi angerieben und aufgetragen werden.
Knochenleim
Das Leimkochen ist keine angenehme Arbeit; unangenehme
Gerüche und das Arbeiten mit den tierischen Produkten
machen oft einsam gegenüber den Mitmenschen ...
So werden Tierreste wie Haut, Knochen und Knorpel
in Wasser gesiedet, bis sich die sogenannten Leimbinder
aus der Masse lösen. Diese Leimbinder können aks klare,
sämige Flüssigkeit abgesiebt werden.
Zu eurer Zeit kann man Knochenleim als vorgefertigtes
Produkt kaufen; diese auf der nebenstehenden Abbildung
gezeigten Leimkugeln werden einfach über Nacht in Wasser
eingeweicht und am anderen Morgen auf kleiner Flamme
ohne kochen aufgewärmt. Wenn beim Probieren die Finger
fest zusammenkleben, ist der Leim fertig.
Fischleim
Fischleim wurde vorzugsweise aus der getrockneten Schwimmblase des Störs
(Hausen) hergestellt.
Die von Theophilus angegebene Rezeptur für Fischleim ist auch heute noch
in Gebrauch :
"Danach nimm die Schwimmblase von dem Fisch, der Hausen genannt wird,
wasche sie dreimal mit lauwarmem Wasser und schneide sie klein. Gib sie in
einen ganz sauberen Topf mit Wasser und laß sie über Nacht weichen.
Am Morgen koche sie auf dem Feuer ohne das es siedet, bis beim Probieren deine
Finger zusammenkleben, und sobald sie fest zusammenkleben, ist der Leim gut."
Temperaturwasser
Dieses Bindemittel ist ebenfalls hervorragend für das Anreiben von Farbstoffen
und Pigmenten mit dünnflüssiger Konsistenz geeignet :
1 Teil Honig mit 4 Teilen Gummi arabicum und 1 Teil Wasser lösen, anschließend
3 Teile Essig zusetzen.
Mit dieser Mischung werden dann die Farbstoffe und Pigmente feinst verrieben,
bis eine sämige Tinte entsteht.