uch
hier gibt es noch eine Vielzahl an Rezepturen für farbige Auszeichnungstinten
zu beschreiben.
Viele
dieser Mischungen muten geradezu abenteuerlich an; oftmals mag man sich Anhand
der verwendeten Bestandteile gar nicht vorstellen, auf welch sorglose Weise
die Scriptoren zu meiner Zeit mit den Inhaltsstoffen hantierten.

Gelber
Ocker
Gelber Ocker ist eine Tonerde, deren gelblichbraune Färbung von natürlichen
Eisenoxydhydraten stammt.
Das stumpfe Gelb - Ockergelb - kann als ungiftiger Ersatz für das giftige
Auripigment verwendet werden, erreicht jedoch längst nicht dessen brilliante
Farbgebung. Ein großer Nachteil des gelben Ockers ist seine mangelnde
Feinheit; hierdurch lassen sich mit Ocker angeriebene Farben meist nur mit
dem Pinsel und selten mit der Feder verwenden. Gelber Ocker kommt häufig
in Tongruben vor und kann dort einfach eingesammelt werden.
Bei der Herstellung wird der Ocker in seiner getrockneten und gemahlenen Form
einfach mit Bindemittel versetzt und zu einer pastösen Flüssigkeit
angerieben.
Eigenschaften der Tinte
stumpfgelbe bis bräunliche Färbung, lichtecht, nicht wasserfest,
kann häufig nur mit dem Pinsel verarbeitet werden.
Roter
Ocker
Wie der gelbe Ocker ist der rote Ocker - auch "Terra rubea" genannt
- eine Tonerde, die ihre Färbung durch Eisenoxide erhalten hat. Diese etwas
seltener vorkommende Erde kann ebenfalls in Tongruben gesammelt werden, läßt
sich aber auch durch brennen von gelbem Ocker herstellen.
Auch hier wird der Ocker in seiner trockenen und gemahlenen Form verwendet und
mit einem
Bindemittel verflüssigt.
Eigenschaften der Tinte
rötlichbraune Färbung, lichtecht, nicht wasserfest, kann häufig
nur mit dem Pinsel verarbeitet werden.
Rote
Tinte aus Zinnober
Zinnober kommt zum Teil
in der Natur vor; auch heute noch findet man in Spanien bedeutende Zinnoberlager.
Aber auch bereits zu meiner Zeit wurde Zinnober künstlich aus Quecksilber
und Schwefel als Quecksilbersulfid hergestellt.
Liegt der Zinnober als Mineral vor, wird dieses im Mörser fein pulverisiert
und mit einem Bindemittel vermischt, um eine sämige Paste herzustellen.
Diese Paste wird in einem lasierten Mörser, besser noch auf einer glatten
Unterlage - zu eurer Zeit würde man eine Platte aus diesem klarsichtigen
Material namens "Glas" nehmen - noch eine zeitlang verrieben. anschließend
wird weiter Bindemittel zugesetzt, bis eine schriftfähige Tinte entsteht.
Diese Tinte ist so fein, daß sie auch mühelos mit einer Feder verschrieben
werden kann.
Zur künstlichen Bereitung von Zinnober findet man in der Handschrift
Lucca nach der Übersetzung von Hedfors folgende Worte :
"Es wird folgendermaßen hergestellt: Nimm reines Quecksilber 2
Teile, lebendigen Schwefel 1 Teil und tu sie in ein enghalsiges Gefäß.
Erhitze ohne Rauchentwicklung bei gelindem Feuer; Du wirst Zinnober erhalten,
den Du gehörig auszuwaschen hast."
Eigenschaften der Tinte
Sehr volle und dichte rote Farbe, lichtecht, wischfest, feuchtigkeitsunempfindlich.
Vorsicht ! Zinnober ist auch als Mineral hochgiftig, in seiner künstlich
hergestellten Mischung sogar umweltschädigend !
och
wach ? Dann einfach
Zu
Müde ? Dann aber schnell
© by Mysterium Scribendi 09/2001
Bleiweiß
Diese Farbe ist eines der
giftigsten Pigmente, die einem Scriptor für die Verwendung in der Buchmalerei
zur Verfügung stehen; in eurer Zeit ist sogar der Handel mit Bleiweiß
untersagt ...
Dennoch kommt der Scriptor auch in der heutigen Zeit um dieses leuchtende Weiß
nicht herum, und mit einiger Vorsicht stellt auch die Herstellung dieses Pigments
kein besonderes Problem dar :
Die Herstellung von Bleiweiß erfolgt ähnlich wie die Bereitung des
Grünspan-Pigments, allerdings verwendet man anstelle von Kupferstücken
einfaches Bleiblech oder Blei, welches man in Blechen auswalzt oder aushämmert.
Nun gibt man in ein glasiertes Keramikgefäß oder Glas etwas Essig
oder Harn, so daß der Boden gut bedeckt ist. Anschließend wird das
Bleiblech dicht über der Flüssigkeit fixiert; wichtig ist hierbei,
daß das Blech nicht mit der Flüssigkeit in Berührung kommt.
Das Gefäß wird nun gut verschlossen und an einem warmen Ort aufbewahrt.
Nach einigen Tagen nimmt man das Blech
wieder heraus und kann das so erhaltene Bleiweiß - oder besser "basisches
Bleicarbonat" - vorsichtig abkratzen. Diese Prozedur wird so lange wiederholt,
bis man die benötigte Menge des Pigments erhalten hat. Für die Herstellung
der Tinte wird das Pigment mit Bindemittel soweit verflüssigt, bis eine
schriftfähige Konsistenz erreicht ist.
Eigenschaften der Tinte
Leuchtendes, deckendes Weiß, lichtecht und wischfest, leicht zu verarbeiten.
Vorsicht ! Bleiweiß ist hochgiftig, Stäube nicht einatmen ! Der Handel
mit diesem Pigment ist strengstens untersagt !
Mennige
Dieses Pigment für orangerote Tinte wird aus Blei(II/IV)oxid
gewonnen und ist auch heute noch im Handel erhältlich. In meiner Zeit
wurde Mennige noch aus Bleiweiß hergestellt.
Hierfür nimmt man Bleiweiß und kocht dieses auf großer Flamme,
um Mennige zu erhalten. Anschließend wird das Pigment zu feinem Pulver
zermahlen und mit Bindemittel verflüssigt, um eine
schreibfähige Konsistenz zu erreichen.
Eigenschaften der Tinte
Leuchtendes Orangerot, hochdeckend und lichtecht, wischfest, leicht zu
verarbeiten. Vorsicht ! Mennige ist hochgiftig !.
Folium
Folium ist eine
Farbe, die seit dem 11. Jahrhundert verwendet wird.
Grundstoff dieses Produktes ist der rotbraune Pflanzensaft des Krebs- oder Lackmuskrauts
(Chrozophora tinctoria luss.). Um Folium als weinroten Farbstoff (folium purpureum)
herzustellen, muß dem Pflanzensaft durchgeglühte Asche und Urin beigegeben
werden. Wurde dieser Mischung noch ungelöschter Kalk beigefügt, so
erhielt man Blauviolett (folium saphireum).
Auch hier wird bei der Herstellung der Pflanzensaft aus den Blättern des
Krebs- oder Lackmuskrauts mit Wein ausgelaugt und anschließend getrocknet.
Für die weitere Verwendung muß das so entstandene Pigment mit Bindemittel
verflüssigt und in schreibfähige Konsistenz gebracht werden.
Eigenschaften der Tinte
Je nach Beigabe der hier beschriebenen Stoffe variiert der Farbton von Rotbraun
bis Weinrot oder Blauviolett. Die Tinte schreibt halbtransparent, ist lichtecht
und leicht zu verarbeiten.
Indigo
und Waidblau
Der Waid war bereits in der Antike eine beliebte und weitverbreitete
Pflanze für die Verwendung von Farbstoffen. In späterer Zeit wurde
der kultivierte Anbau von Waid sogar befohlen, wie beispielsweise in der Landgüterverordnung
Karls des Großen. Hauptanbaugebiet in Deutschland war der Landstrich,
welcher in der heutigen Zeit als "Thüringen" bekannt ist; dort
wurden die Blätter geerntet, in Mühlen gequetscht, getrocknet und
anschließend als Ballen verkauft. Die Färbung von Waid läßt
sich nicht von der Farbe aus der Indigopflanze unterscheiden. Indigo wurde zu
meiner Zeit über Arabien in unsere Lande eingeführt. Später erfolgte
der Versand über den Seeweg aus Ost-Indien.
Bei der Gewinnung des Farbstoffes aus Waid ist zu beachten, daß die Farbe
ncht direkt gewonnen werden kann. Der charakteristische Blauton entsteht erst
bei der weiteren Verarbeitung durch Gärung und Aussetzung an der Luft.
So ist die Herstellung ein schwieriges und obendrein sehr geruchsintensives
Unterfangen :
Die getrockneten Waidblätter werden zunächst zermahlen, mit Wasser
angefeuchtet und dann als Brei in einem Bottich an der Sonne einige Tage zum
Gären gebracht. Nach ungefähr zwei Wochen wurde dieser Brei, der während
der Gärungsphase immer wieder umgerührt werden mußte, zu den
sogenannten Waidkugeln oder Blaukörner geformt und getrocknet. Anschließend
wurden diese Waidkugeln nochmals zerkleinert und gemahlen und mit Urin zu einer
breiigen Masse angesetzt. Diese wurde unter Luftabschluß einem langwierigen
Gärungsprozeß unterworfen. Abschließend wurde der so entstandene
Farbstoff an der Luft getrocknet und erhielt dabei durch Oxydation seinen charakteristischen
Blauton.
Die weitere Verarbeitung geschieht wie bei den meisten anderen Pigmenten durch
das Anmischen mit einem Bindemittel, bis eine schreibfähige Konstistenz
erreicht ist.
Eigenschaften der Tinte
leuchtend dunkelblauer Farbton, lichtecht, feuchtgkeitsbeständig, leicht
zu verarbeiten.