Rezepturen

ie Herstellung von Tinten aller Art beinhaltet auch das Wissen über das Verhalten verschiedener
Stoffe und Materialien. Ich kann euch an dieser Stelle natürlich nicht umfassend über alle zu meiner Zeit bekannten Rezepturen berichten, kleine Geheimnisse müssen bleiben ... aber vielleicht habe ich hier mit diesen Procedere eure Neugier soweit geweckt, daß ihr euch selbst auf die Suche macht nach vielen alten und neuen Rezepturen für das Niederschreiben der litterae ...
Schwarztinten
Tinte aus Dornen

Das 1. Buch des Traktats "De diversis artibus - Von den verschiedenen Künsten" des Mönchs Theophilus welches um 1100 verfaßt wurde, beinhaltet ein Rezept für Dornentinte :

Man schneidet Dornenzweige von Schlehen im April oder Mai (kurz vor dem Ausschlagen) und läßt diese einige Tage liegen. Dann wird die Rinde abgeklopft und mit Wasser angesetzt. Dieser Ansatz bleibt ebenfalls einige Tage stehen. Wenn das Wasser rotbraun verfärbt ist wird die Mischung aufgekocht und mit der Rinde versetzt. Dieser Vorgang wird solange wiederholt, bis die Rinde völlig ausgelaugt ,also von allen farbgebenden Bestandteile gelöst ist. Die so entstandene Brühe wird zum Schluß mit Wein eingekocht und in einem Pergamentsäckchen an der Sonne getrocknet.
Zum Schreiben löst man die pulvrige Substanz in warmem Wein.

Eigenschaften der Tinte
Braun bis schwarzbraune Färbung, lichtecht, greift Pergament nicht an.



Rußtinte

Rußhaltige Tinten bestehen aus Ruß und Gummi (gummi arabicum) und sind bereits seit dem 3. Jahrtausend v.Chr. bezeugt. Die Herstellung wird von Plinius in seinem 35. Buch beschrieben :

"Am besten schätzt man das ( ... ) aus Kienholz gewonnene Schwarz. Man verfälscht es mit Ruß aus den Öfen und Bädern, das man zum Bücherschreiben verwendet ( ... ) Alles Schwarz aber wird an der Sonne fertiggemacht, wobei man das zum Schreiben verwendete Schwarz mit Gummi vermischt ( ... )"

Eigenschaften der Tinte
Tiefschwarze Färbung, lichtecht, empfindlich gegen Feuchtigkeit, wasserlöslich.
Eisen-Gallus-Tinte
Gallapfel

Diese Tinte besteht aus pulverisierten Galläpfeln und
Eisen- oder Kupfersulfat. Obwohl von lackartiger Konsistenz
und durchaus haltbar, besitzt diese Tinte eine unangenehme
Eigenschaft : Diese zersetzt das Pergament durch den
sogenannten "Tintenfraß" - einer Säurebildung durch
Feuchtigkeit - bis hin zur völligen Zerstörung; einer der
Hauptgründe für die mitunter notwendige Lagerung der
alten Schriften unter vollständigem Luftabschluß oder
unter Druck in Stickstoffatmosphäre.

Die Galläpfel entstehen durch den Stich der Eisengallwespe (Cynics tinctoria) in die Unterseite von Eichenblättern oder -knospen. Durch diese Verletzung bilden sich die bis zu kirschgroßen und schwammigen Geschwulste, die sogenannten Galläpfel.

Bei der Herstellung werden diese Galläpfel ausgekocht und der entstehende Sud, die sogenannte Galle, anschließend mit Eisen- oder Kupfersulfat gemischt. Als Bindemittel wird in vielen Rezepten, die noch bis ins 19. Jahrhundert gebräuchlich waren, die Beigabe von Gummi Arabicum empfohlen.

Eigenschaften der Tinte
Tiefschwarze Färbung von lackartiger Beschaffenheit, nicht lichtecht, wischfest, wasserfest, kann das Pergament durch Säurebildung angreifen.

un, habe ich eure Neugier geweckt ? Dann geht´s hier
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© by Mysterium Scribendi 09/2001
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